Das UNESCO Welterbe Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen erstreckt sich über sechs Länder rund um die Alpen. Österreich ist mit fünf Pfahlbaustationen in Kärnten und Oberösterreich Teil dieses Welterbes...

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Recent Updates

Pfahlbauten bei der Langen Nacht der Forschung

Das UNESCO-Welterbe Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen präsentiert sich auch bei der Langen Nacht der Forschung im Rahmen der Aktivitäten im Archäologiezentrum der Universität Wien. Die Institute für Ägyptologie, Klassische Archäologie und Ur- und Frühgeschichte werden den Besuchern dort Geschichte und Archäologie “schmackhaft” näher bringen: “Eine Auswahl an ägyptisch-pharaonischen, römischen und mittelalterlichen Speisen und Getränken sollen einen wichtigen Bestandteil vergangener Kulturen unmittelbar erfahrbar machen. Gleichzeitig dienen das Zubereiten und Servieren der Mahlzeiten dazu, aktuelle Forschungsfragen in den Fächern Ur- und Frühgeschichte, Ägyptologie und Klassische Archäologie zu vermitteln.”
Wo: Franz-Klein-Gasse 1, 1190 Wien
Wann: 27. Mai 2012, ab 18 Uhr

Vorarlberger Nachrichten

16. April 2012

Zeitungsartikel

Neue Artikel online!

Der Verein “Kuratorium Pfahlbauten” versucht seine Website informativer und aktueller zu gestalten. Darum lassen  sich zukünftig immer mehr neue Artikel zu bestimmten Themen hier finden.

Die neuesten Veröffentlichungen können unter folgenden Rubriken entdeckt werden:

Leben im Jahreskreis

Dorfboden im Seeboden

Was steckt hinter dem Welterbe? – FAQ. Häufig gestellte Fragen zu den Pfahlbauten

Wir wünschen viel Vergnügen beim Lesen und greifen auch gerne Fragen unserer Leser auf!

Leben im Jahreskreis

In den Überresten der Pfahlbauten befinden sich vielfältige Spuren des täglichen Lebens in der Urgeschichte.

Wie  bei vielen Wissenschaften ist auch die Archäologie ein Fach in dem die meisten und treffendsten Aussagen nur durch interdisziplinäres Zusammenarbeiten möglich werden. Wichtige Naturwissenschaften wie die Archäobotanik, die Anthropologie, die Archäozoologie, die Archäometallurgie und noch viele mehr helfen bei der Auswertung der archäologischen Funde. Durch Einbezug verschiedener solcher Untersuchungen kann ein vollständigeres Bild der Lebensweise der neolithischen und bronzezeitlichen Pfahlbauern gezeichnet werden.

Der guten Erhaltung der unterwasserarchäologischen Funde ist es zu verdanken, dass die Pfahlbausiedlungen so reiche und vielfältige Informationen zur Urgeschichte beinhalten. In dem feuchten Seeboden erhalten sich beispielsweise Nahrungsreste, wie Samen, Früchte oder Knochen erstaunlich gut. Die Archäobotanik kann auf Grund der Analyse der Pflanzenreste feststellen, welche Pflanzen vom Menschen angebaut und welche gesammelt wurden. Diese Aussage ist auf Grund der Veränderung einer Wildpflanze durch die Zucht, also den gezielten Anbau und Kreuzens eines Getreides, möglich. Ebenso kann die Archäozoologie tierische Knochenreste als Jagdwild oder Zuchttier unterscheiden. Das Wissen um die angebauten Getreidearten und die gehaltenen Tierarten lässt Rückschlüsse auf die Organisation der Pfahlbauern zu. Beispielsweise zeigen Untersuchungen an Getreidefunden, dass bereits der neolithische Pfahlbauer die Aussaat von Sommer- und Wintergetreide kannte. Diese Bewirtschaftungsweise der Felder bringt viele Vorteile, wie höhere Ernteerträge, mehr Vielfalt im Anbau und eine bessere Absicherung im Fall des Verderbens einer Ernte. Gleichwohl verlangt  sie auch ausreichende Mitarbeiter und eine Verwaltung der gewonnenen Ernte. Es können also auch Überlegungen zur gesellschaftlichen Struktur der Pfahlbausiedlungen auf Grund dieser Informationen gemacht werden und der Ablauf des urgeschichtlichen Lebens innerhalb eines Jahres wird immer fassbarer.

Doch das ist  nicht alles. Pollenanalytische Studien können die Entwicklung der Pflanzenwelt von dem ersten Bewuchs nach der Eiszeit bis zur vollständigen Bewaldung eines Gebietes aufschlüsseln. Dadurch wird es möglich die Umwelt des neolithischen und bronzezeitlichen Pfahlbauers zu bestimmen. Zu Beginn der Besiedlung der Alpenseen befand sich um die Seen weitgehend nur Wald, Wiesen gab es noch nicht. Am Flachufer befanden sich die einzigen offenen Streifen, freie Flächen für Ackerbau mussten sich die Menschen erarbeiten. Durch das Eingreifen der Siedler kam es zu Rodungen und zur Schaffung von Acker-, sowie Weideflächen. Pollenanalysen weisen einen starken Rückgang der Wälder auf. Sie belegen die gewaltige Veränderung der Umwelt durch den Mensch.

Der Dorfboden im Seeboden

Im Seeboden finden die Archäologinnen und Archäologen die Reste des ehemaligen Dorfbodens der urgeschichtlichen Siedlungen.

Der Seegrund besteht aus verschiedenen natürlichen Ablagerungen, wie Ton, Schluff, Sand, Kies oder Seekreide. Interessant wird es für die Archäologie, wenn sich zwischen diesen natürlichen Schichten auch Ablagerungen des Menschen befinden, sogenannte Kulturschichten. Diese Kulturschichten bestehen aus an die Fundstelle gebrachtem und verarbeitetem Material der damaligen Bewohner des Gebietes. Sie beinhalten eine Fülle an Informationen für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. An einem Siedlungsplatz sammelt sich über die Jahre eine Menge Abfall und Schmutz an, es werden Gruben ausgehoben und mit Müll gefüllt oder Straßen mit Bauschutt fundiert. Wenn eine Siedlung aufgegeben wird, zerfallen die Gebäude, Dach und Wände stürzen ein und Gegenstände werden zurückgelassen. All dieses Material verwittert mit der Zeit und zurück bleiben verrottetes Material, Bodenverfärbungen, Scherben der ehemaligen Gefäße und dergleichen. In einem feuchten Boden kann die Verwitterung jedoch bedeutend verlangsamt werden. Das Wasser im Boden verursacht den Abschluss vor der umgebenden Luft, die in normalen, nicht Wasser gesättigten Erdböden, immer noch in Resten vorhanden ist. Dadurch sind die für den natürlichen Abbau verantwortlichen Bakterien nicht mehr überlebensfähig und das organische Fundmaterial kann somit nicht von ihnen zerstört („aufgegessen“) werden. Es erhält sich in einem erstaunlich guten Zustand über eine sehr lange Zeit. Material wie Textilien, Holz oder Nahrungsreste die an Land kaum bis gar nicht mehr zu erkennen sind, können unter Wasser noch fast vollständig erhalten sein.

Diese selten erhaltenen Hinterlassenschaften der Pfahlbausiedlungen geben den Forscherinnen und Forschern vielfältige Informationen über das Leben der damaligen Menschen. Beispielsweise können Samen- oder Knochenreste Auskunft geben über die Auswahl der Nahrung und ob Landwirtschaft oder Viehzucht betrieben wurde. Die Anzahl und Anordnung der Holzpfähle, oder  Lehm- und Aschereste einer Herdstelle, lassen Überlegungen zu der Größe und Ausstattung ihrer Häuser zu. Es ist somit nicht nur das Material an sich wichtig, sondern auch in welchem Zusammenhang es zueinander steht. Ein Getreidekorn zwischen Keramikscherben, könnte auf die Funktion eines Vorratsgefäßes deuten.

Im Seeboden verstecken sich aber noch weitere Informationen, die mit naturwissenschaftlichen Analysen herausgefiltert werden können. Durch das Material aus Bohrungen oder aus ganzen Probenblöcken können Ausschnitte des Seebodens mit all seinen Sedimentablagerungen ins Labor transportiert werden. Dort kann dann einiges über die Veränderung der Umwelt und den Verlauf beziehungsweise die Dauer einer Siedlung herausgefunden werden. Beispielsweise konnte bei der neolithischen und bronzezeitlichen Siedlung am Nussbaumersee des Seebachtals in der Schweiz durch Bohrungen festgestellt werden, dass die Siedlung öfter von Hochwasser heimgesucht wurde. In manchen Schichten konnten sogar Spuren von Wasserpflanzen nachgewiesen werden, wodurch nicht nur Hochwasser sonder auch länger zeitige Seehochstände bezeugt sind. Die Bewohner waren in diesen Zeiten gezwungen ihren Siedlungsplatz zu verlassen. An einem anderen Beispiel lässt sich ein durch den Menschen verursachter ökologischer Kollaps nachweisen. Bei den Ausgrabungen der frühbronzezeitlichen Seeufersiedlung Bruszczewo in Großpolen zeigten Bohrungen Anzeichen für eine Übernutzung der naturräumlichen Ressourcen durch die Siedler. Die Siedlung musste zur Mittelbronzezeit aufgegeben werden, da die steigende Metallproduktion das Wasser vergiftet und die Abholzung zu einem Mangel  an Bauholz geführt hatte.  Im Fall Bruszczewo wird deutlich wie schon zur damaligen Zeit schlechtes Wirtschaften die Zerstörung der eigenen lokalen Umwelt zur Folge hatte. Eine Problematik die auch in unserer heutigen Gesellschaft ein großes Thema ist.

Vortrag zum Welterbe Pfahbauten in Linz

Im Rahmen zweier Kurzvorträge bei der Gesellschaft für Archäologie in Oberösterreich werden die Ernennung der Pfahlbauten zum UNESCO Welterbe und das in Vorbereitung befindliche Welterbeprojekt zum römischen Limes präsentiert und deren Chancen aufgezeigt.

© by a_kep on flickr

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Wie kann ich am Welterbe teilhaben?

Die Prähistorischen Pfahlbauten um die Alpen sind Österreichs jüngstes UNESCO Welterbe (als steinzeitliche Siedlungen natürlich auch gleichzeitig das älteste Welterbe in Österreich). Bisher haben noch wenige Menschen ein klares Bild, wie diese Siedlungen aus der Urgeschichte ausgesehen haben und warum sie überhaupt UNESCO Welterbe geworden sind.

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DVD Keutschacher Pfahlbau erschienen

Pünktlich zum Festakt am 28. Oktober 2011 anlässlich der symbolischen Überreichung der UNESCO Zertifikate zum Welterbe “Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen” erscheint eine DVD mit Computeranimationen zum Pfahlbau von Keutschach. Die Animation wurde vom Instititut VIAS der Universität Wien, das seit Jahren den Pfahlbau Keutschacher See erforscht, im Rahmen der Wanderausstellung “From Underwater to Public Attention” entwickelt. Die in Kooperation mit der 7reasons Medien GmbH realisierte Animation über das Leben im Keutschacher Pfahlbau zeigt eine idealisierte Computerrekonstrukion und bietet viele zusätzliche Informationen.

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